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"Ans Licht geholt"
Mit der Arbeit der Museen verbindet sich allgemein der Gedanke an Ausstellungen mit historischen Gegenständen oder Kunstwerken. Tatsächlich umfasst museale Arbeit aber viel mehr und erstreckt sich vorrangig auf das Sammeln und Bewahren gegenständlicher Sachzeugen. Gesammelt wird in Pirna schon seit 1861 – zuerst im Museum des Städtischen Gewerbevereins und später durch den Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz, der ebenfalls ein Museum gründete. Darüber ließen sich viele Geschichten erzählen. So brachte beispielsweise im Herbst des Jahres 1900 eine Bauersfrau aus Dorf Wehlen einen ganzen Pferdewagen voller Altertümer und übergab die verschiedensten Kostbarkeiten als Schenkung an das Museum. Heute umfassen die Sammlungen nahezu 80.000 Exponate. Nicht wenige davon sind in Verbundenheit zur Heimatstadt oder ihrer umliegenden Region kostenlos überlassen worden. Das war auch in der Zeit der DDR so, obwohl sich die Ankaufstelle des VEB Antikhandel Pirna gleich auf der nächsten Straße befand, und dauert bis in die Gegenwart unvermindert an. Ebenso wuchsen die Bestände durch Ankäufe, finanziert mit öffentlichen Mitteln oder durch Spenden. Neuerwerbungen, insbesondere im Bereich der Kunst, ermöglichten unter anderem die Ostsächsische Sparkasse Dresden und das Canaletto Forum Pirna.
Bild: Textile Kostbarkeit: Der Pirnaer Schützenrock aus dem 17. Jahrhundert wurde bisher noch nie öffentlich präsentiert
Gleichermaßen wichtig ist in jedem Museum die Funktion der dauerhaften Bewahrung, um historische Sachzeugen für nachfolgende Generationen zu erhalten. Dabei richtet sich der Blick der Museumsfachleute nicht nur auf hochrangige Antiquitäten in den Auktionshäusern, sondern durchaus auch auf unscheinbare Dachbodenfunde und kleine Familienerinnerungen. Sie sind sorgsam zu inventarisieren, was Sachkenntnis bei vielen Details erfordert. Hinzu kommt die Sorge um den konservatorischen Zustand aller Exponate - und zwar im doppelten Wortsinn von Vorsorge und Besorgnis: Vorsorge durch fachgerechte Verwahrung in den Magazinen und Besorgnis um den restauratorischen Zustand. Vieles konnte mit Unterstützung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, in Kooperation mit weiteren Museen und Institutionen oder auch durch das direkte Engagement der Museumsbesucher gerettet werden konnten.
Bild: In museumspädagogischen Veranstaltungen lernen die Kinder, wie aus einem Dachbodenfund ein Museumsexponat wird.
Vom Sammeln und Bewahren erzählt diese Ausstellung in ganz unterschiedlicher Weise. So findet der Besucher zum Beispiel eine große Fotocollage, deren Restaurierung gerade abgeschlossen wurde gleich neben einer wertvollen Holztür aus dem 16. Jahrhundert, deren Instandsetzung im Herbst beginnen wird. Gezeigt wird ein ganz kleiner Teil aus etwa 200 Grafiken, die dem Museum als „Nachwirkung“ der Pol-Cassel-Ausstellung als bemerkenswerte Schenkung zugingen. Schwierig ist die Erhaltung textiler Museumsexponate. Dennoch erwarten den Besucher mit einer Kammerherrenuniform und dem so genannten Pirnaer Schützenröckchen außerordentlich wichtige Sammelstücke, die bisher nicht und demnächst auch sobald nicht wieder präsentiert werden. Noch zahlreiche weitere und selten gezeigte Sachzeugen aus vergangener Zeit umfasst die neue Ausstellung des Stadtmuseums, zumeist auch mit einer eigenen Geschichte dargestellt. Unter ihnen ist zweifellos ein kostbarer Schrank aus dem Jahre 1680 einer der Höhepunkte überhaupt. Gerade umfassend restauriert, muss seine Geschichte allerdings erst noch neu geschrieben werden. Bisher immer als Gerichtsschrank angesprochen, wandelte er sich während der Instandsetzung zeitweilig zu einem Hochzeitsschrank und dann aber vielleicht doch wieder zu einem norddeutschen Dielenschrank – womit sich für den Ausstellungsbesucher ein weiteres Feld musealer Arbeit verdeutlicht: Nämlich die ausführliche Beschäftigung mit den Exponaten, die weit über die eigentliche Inventarisierung hinausrecht.
Bild: Erinnerungen an Pirnaer Literaten und Buchhändler: Schützenscheibe von Diller aus dem Jahre 1817
Die neue Sommerausstellung des Stadtmuseums ist wie immer mit einem museumspädagogischen Angebot verbunden, dass sich insbesondere an Schulklassen und Kindergruppen richtet. Hier erfahren die Teilnehmer, wie aus so manchem unscheinbaren Dachbodenfund ein wertvolles Museumsexponat wurde und natürlich noch vielerlei andere Geschichten. Bestellungen dafür werden gern entgegengenommen
Telefon: 03501 556461 oder stadtmuseum@pirna.de
Öffnungszeiten des Stadtmuseums: Di – So 10-17 Uhr


















