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Klimaschutzkonzept für die Stadt Pirna – BM Flörke: „Nachhaltige Stadtentwicklung benötigt Klimaschutz“

Der Stadtrat der Stadt Pirna hat im Oktober 2011 die Vergabe von Planungsleistungen zur Erarbeitung des Integrierten kommunalen Klimaschutzkonzeptes für die Stadt Pirna an die Firma C&E Consulting und Engineering GmbH (Chemnitz) beschlossen.
C&E gehört zu den größten unabhängigen Ingenieurunternehmen Deutschlands und ist seit mehreren Jahren auch in den innovativen Themenfeldern Klimaschutz/Klimawandel und regenerative Energien tätig.
Bürgermeister Christian Flörke: „Der Stellenwert kommunaler Klimaschutzpolitik ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Wissenschaftler sind sich weitgehend einig, dass der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten ist. Dabei stehen Kommunen wie die Stadt Pirna am Anfang und am Ende der Wirkungskette. Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Starkniederschläge und Stürme werden künftig noch heftiger und häufiger vorkommen und zu Schäden bzw. Kosten führen. Ob im Katastrophenschutz, in der Hochwasserbekämpfung, der Trinkwasserversorgung oder der Beseitigung von Sturmschäden – es werden vor allem Kommunen sein, welche die Kosten des Klimawandels zu tragen haben. Eine vorausschauende und nachhaltige Stadtentwicklung umfasst deshalb im 21. Jahrhundert auch den Umgang mit dem Thema Klimaschutz.“
Das Klimaschutz-Engagement auf lokaler Ebene benötigt jedoch eine »Messlatte«, die den kommunalen Akteuren und der Öffentlichkeit Hinweise gibt, wo Klimaschutz-Erfolge zu verzeichnen sind, ob die bisherigen Aktionen in die richtige Richtung führen und auch, in welchen Bereichen Defizite bestehen. Die Stadt Pirna möchte ihr bisheriges Engagement im Bereich Energieeffizienz und Klimaschutz weiter ausbauen und nach der erfolgreichen Teilnahme am European Energy Award® ein Integriertes kommunales Klimaschutzkonzept erstellen. Mit der Erarbeitung eines Integrierten kommunalen Klimaschutzkonzeptes verfolgt die Stadt das Ziel, den Energieverbrauch und damit die CO2-Belastung langfristig zu reduzieren, die fossilen Energieressourcen zu schonen, Synergiepotenziale zu identifizieren und zu erschließen sowie die Energieeffizienz zu erhöhen. Die im Integrierten kommunalen Klimaschutzkonzept festgelegten Maßnahmen sollen entsprechend ihrer Priorität schrittweise von der Stadt bzw. in Zusammenarbeit mit einzelnen Partnern umgesetzt werden. Im Zeitraum Oktober 2011 bis November 2012 erarbeitet C&E das Integrierte kommunale Klimaschutzkonzept. Zur Bilanzierung der Energie- und Treibhausgasemissionen wurde die anerkannte Software ECO2-Region der ECOSPEED AG verwendet. Zusammenfassend betrachtet hat sich der Endenergieverbrauch in Pirna von 1990 zu 2010 deutlich verringert (siehe Tabelle 1).
Bürgermeister Christian Flörke: „Mit einer Verminderung um 37,7 % MWh/(EW*a) bzw. 44,1% CO2/(EW*a) hat Pirna die Klimaschutzziele der Bundesregierung für das Jahr 2020 bereits heute mehr als erfüllt. Allerdings wirken die derzeit vorherrschenden Tendenzen zu steigendem Gesamtenergieverbrauch in den Sektoren Wirtschaft und Verkehr diesem bereits erreichten Ziel deutlich entgegen. Ohne Gegensteuerung ist zu erwarten, dass die Stadt Pirna im Jahr 2020 die bundesweiten Klimaschutzziele dann nicht mehr erreichen wird. Kurzfristiges Ziel sollte daher zunächst eine Stabilisierung und Stagnation von Energieverbrauch und CO2-Emission sein. Langfristig sollte eine Senkung angestrebt werden.“
Tabelle 1: Vergleich von Energieverbräuchen und CO2-Bilanzen der Jahre 2000 und 2010 gegenüber 1990 unterteilt nach Verbrauchssektoren

Im Rahmen der Konzepterstellung wurde für die Stadt Pirna ein Vorschlag für eine kommunale Klimapolitik erarbeitet. Die zeitliche Referenz ist das Bilanzjahr 2010. Mit dem Umsetzungshorizont 2020 werden folgende Ziele vorgeschlagen:
1. Senkung des jährlichen Pro-Kopf-CO2-Ausstoßes um 20%, dabei Minderung im Sektor Verkehr um 3%
2. Reduktion des jährlichen Pro-Kopf-Energieverbrauchs um 20%
3. Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien nach EEG im Strommix um 5%
4. Verbesserung des durchschnittlichen energetischen Kennwerts von Strom und Wärme der städtischen Liegenschaften um jährlich 5% (Neubau) bzw. 1% (Altbau)
5. Zertifiziertes/akkreditiertes Umweltmanagementsystem bei mindestens 50% der größeren ortsansässigen Firmen des produzierenden Gewerbes (> 35 MA)
Zur Erreichung der Zielstellungen wurde ein energiepolitisches Arbeitsprogramm, das aus insgesamt 119 Maßnahmen besteht, entworfen. Die Maßnahmen erstrecken sich auf die Handlungsfelder Entwicklungsplan, Raumordnung; Kommunale Gebäude, Anlagen; Versorgung, Entsorgung; Mobilität; interne Organisation; Kommunikation und Kooperation. Nachdem nunmehr ein zwischen der Stadtverwaltung, den im Rahmen des European Energy Award® tätigen Akteuren (kommunale Gesellschaften, sachkundige Bürger) und der Lokalen Agenda 21 abgestimmter Entwurf für ein Integriertes kommunales Klimaschutzkonzept vorliegt, ist im weiteren Vorgehen folgender Zeitplan vorgesehen:
• 13.09.2012: Vorstellung des Arbeitsstandes im Stadtentwicklungsausschuss
• 01.10. bis 14.10.2012: Bürgerbeteiligung in Form einer öffentliche Auslegung des Konzeptentwurfes
• bis 24.10.2012: Auswertung der Bürgerbeteiligung, ggf. Änderung des Konzeptentwurfes
• 08.11.2012: Beschlussfassung im Stadtentwicklungsausschuss
• 20.11.2012: Beschlussfassung im Stadtrat
Die Gesamtkosten für die Konzepterstellung in Höhe von ca. 35.000,- € werden zu 65% vom Bundesministerium für Umwelt im Rahmen der Klimaschutzinitiative gefördert.
Autor: Thomas Gockel, Pressesprecher




